Imperial War Museum

Schon vor ein paar Jahren hatte ich bei einem London-Aufenthalt auch das Imperial-War-Museum besucht. Schwerpunkt des Museums ist der 1. und 2. Weltkrieg, sowie die folgenden Konflikte. Anlässlich des 100. Jahrestags zum Ausbruch des 1. Weltkrieges im Jahr 1914 wurde das Museum für einige Zeit komplett geschlossen, um im Jahr 2014 mit einem völlig anderen Konzept und Ausstellung neu zu eröffnen. Statt Räumen vollgestopft mit Waffen, Panzer und Uniformen findet man in allen Ausstellungen jetzt ein sehr modernes Museumskonzept mit zahlreichen interaktiven Bildschirmen und Filmen. Ziel meines Besuches war vor allem die Ausstellung zum ersten Weltkrieg, welche im Vergleich zum Rest sehr ausführlich und strukturiert dargestellt war.

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Nach einer kurzen Einführung zum Thema ging es durch die unterschiedlichen Zeitabschnitte und Schauplätze des 1. Weltkrieges. Zwischendurch wurden spezielle Themenabschnitte behandelt, wie der Grabenkrieg, der Einsatz von Gas, die Wirkung von Artillerie und der Panzer als Waffe. Auch Themen wie der Luft- und Seekrieg wurde mit einbezogen. Ein wichtiges Teil war auch die Heimatfront und Propaganda. Nachfolgend eine kleine Auswahl an Bilder aus der Ausstellung.

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Die Dicke Bertha galt in Deutschland als Symbol für militärische Kraft und technische Überlegenheit…

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Aus Überresten und Geschossschlittern der Dicken Bertha wurden Brieföffner und Sammelbüchsen gefertigt…

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Die Briten hat die Angewohnheit ihren Gräben, Stellungen und Unterständen kuriose Namen zu geben und durch entsprechende Schilder zu kennzeichnen…

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Die bunten Uniformen zu Beginn des Krieges wichen schon bald zweckmäßigen Modellen. Nachfolgend französische und deutsche Uniform im Wandel des Zeit…

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Ein Beispiel für die neue, moderne Ausstellung des IWM. Mit Hilfe dieses Touchscreens konnte man durch die Entwicklung der Grabensysteme blättern…

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Der Deutscher Minenwerfer galt als gefürchtete Waffe. Seine Geschosse trudelten senkrecht vom Himmel, bohrten sich in die Erde und vernichteten alles in ihrer Nähe…

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Hier eine Auswahl an teilweise improvisierten Nahkampfwaffen aus dem Grabenkrieg…

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Panzerwesten und Kürass erinnern an mittelalterliche Ritter im Gefecht…

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Unterschiedliche Teleskop-Typen, die zur Beobachtung des Feindes eingesetzt wurden…

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Wer keinen Körperschutz trug, der versuchte sich „unsichtbar“ zu machen. Dieser handbemalte britische Scharfschützenmantel sollte seinen Träger im Niemandsland schützen…

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Extrem kurios ist dieser Baumstumpf aus Metall, in dem ein Scharfschütze auf seine Beute wartete…

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Die ersten Gasmasken…

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Der Fes eines deutschen Askari…

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Uniformen indischer Einheiten in britischen Diensten…

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Ausrüstung und Uniform der neuseeländischen Soldaten…

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Das berühmte russische Maxim Maschinengewehr…

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Der Krieg der Türken gegen die Britischen Streitkräfte fand seinen Höhepunkt in der Schlacht von Gallipoli…

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Natürlich darf in einer englischen Ausstellung der Name „Lawrence“ nicht unerwähnt bleiben. Er kämpfte als britischer Berater im Arabischen Aufstand gegen die Türken…

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Im ersten Weltkrieg kamen erstmals Panzer und Flugzeuge militärisch zum Einsatz…

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Heimatfront und Propaganda…

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TERCIO

Nach meinen vielen Reisen und Recherchen zum Thema 30-jährigen Krieg wird es nun höchste Zeit, dass die Würfel wieder rollen und neue Figuren bemalt werden. Da ich schon einen Grundstock einer Armee der Katholischen Liga besitze, war es naheliegend diese weiter auszubauen. Ich wollte außerdem eines der von mir besuchten Schlachtfelder in einem Szenario verarbeiten und unbedingt die geheimnisvolle frühe Tercio-Gefechtsformation testen. Meine Wahl fiel also auf Tillys Armee der Katholischen Liga und die Schlacht bei Lutter am Barenberge.

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Die Gefechtsform Tercio

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert verwendeten die Nationen ganz unterschiedlichen Gefechtsformationen, welche in dieser Epoche Ordonnanz genannt wurden. Die Spanische Ordonnanz bezeichnete den Kampf der Infanterie in sogenannten Tercios. Der spanische Name Tercio leitet sich aus der früher üblichen Dreiteilung der Armee ab. Die Formation setzte sich aus rund 3.000 Mann zusammen, welche zusammen ein Regiment bildeten. Die Einheiten eines Infanterie Regiments hießen Kompanie (der Begriff Fähnlein war zu diesem Zeitpunkt schon veraltet) und wurden von einem Hauptmann kommandiert. Eine Kompanie sollte in der Theorie aus 150 Musketieren bzw. Arkebusieren und 130 Pikenieren, (zumindest in den ersten Jahren des 30-jährigen Krieges), auch Spießer genannt, bestehen. Hinzu kamen ca. 20 Männer der sogenannten Prima Plana, wie die erste Seite der Musterungsliste einer Kompanie genannt wurde (aus dem lateinischen, “erstes Blatt”). Zu den Männern der Prima Plana zählten alle Offiziere, Unteroffiziere und Spielleute. Die Sollstärke des Regiments lag bei 10 Kompanien, insgesamt also die bereits erwähnten 3000 Mann. In der Realität zogen oft weit schwächere Regimenter in die Schlacht. Eine Zahl von 800 bis 1.000 Mann war keine Seltenheit.

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Die Spießer standen als dichtes Geviert im Zentrum des Tercios, in Sollstärke 50 Mann breit und 30 Mann tief. Die Arkebusiere bildeten eine Art Hecke um die Pikeniere, während die Musketiere, die mit ihren schweren Waffen mehr Platz benötigten, in 4 sogenannten Hörner oder Bastionen, also kleinen rechteckigen Formationen, an allen Ecken des Tericos aufgestellt wurden. Diese ungewöhnliche Gefechtsform entstand aus der Idee, möglichst vielen Schützen ein Schussfeld zu bieten und gleichzeitig den Rundumschutz der Pike gegen feindliche Nahangriffe zu gewährleisten. Soweit die Theorie. Die Praxis sah deutlich komplizierte aus und ist mir persönlich noch immer schleierhaft. Vor allem die Zuteilung der sehr unterschiedlich großen Kompanien und ihre Verteilung im Tercio müssen erhebliche Probleme bereitet haben. Eine Formierung zum Tercio aus der Marschbewegung kam sicherlich nicht in Frage. Man liest davon, dass die Aufstellung der Männer an Hand von Logarithmentafel erfolgten musste. Vor allem der Wechsel von der Formation, in der die Schützen der Bastionen und der Hecke schussbereit standen, in eine Nahangriffsformation, bei der nun möglichst schnell die Piken die Front beherrschten, erscheint schwierig. Die Bastionen werden vermutlich hinter den Pikenblock zurückgefallen sein. Anders sieht es mit der Schützenhecke aus, die ja dann erst um den ganzen Block herumlaufen musste. Man liest zwar immer, dass sich die Schützen der Hecke und der Bastionen einfach vor der Front der Piken schützend zu Boden geworfen haben sollen, aber das wären dann ein Haufen von 8 bis 10 Mann hintereinander. Diese Menge direkt vor den Füßen der Spießer macht mit Sicherheit keinen Sinn, da sie einerseits leichte Beute für die gegnerischen Spießer gewesen wären und anderseits die eigenen Spießer stark behindert hätten. In den Türkenkriegen vor dem 30-jährigen Krieg, entdeckte die kaiserliche Armee das Tercio als perfekte Formation, um sich nach allen Seiten gegen die schnelle leichte Reiterei der Türken verteidigen zu können. Bis zum Tod des Feldherren Tilly im Jahr 1632 blieb das Tercio, nun auch als katholische Ordonannz bekannt, die Standartformation der Katholischen Liga.

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Tercio im TableTop

Die Vorteile des frühen Terico im TableTop-Spiel (zu mindest bei Field of Glory) sind seine Größe, wodurch die Einheit länger standhält, das Fehlen von ungeschützten Flanken und Rücken sowie das 360 Grad Schussfeld. Nachteile sind die schlechte Manövrierfähigkeit, das durch die tiefe Formation oft große Teile des Tercios nicht in den Kampf eingreifen können und das die Armee durch die Größe der Formation über weniger Battlegroups verfügt. Am letzten Wochenende konnten wir im Rahmen des berühmten THC’s eine große Schlacht austragen und die Tercios auf Herz und Nieren prüfen. Gespielt wurde natürlich die Schlacht bei Lutter am Barenberge. Wie Tilly damals, so schicken die Spieler der Katholischen Liga drei Gruppen schwere Reiterei auf einen Flankenmarsch. Die Artillerie hatte sich auf beiden Seiten in einer großen Batterie, schwer verschanzt in der Mitte der Schlachtlinie postiert. Auf der rechten Flanke der Katholischen Liga besetzten leichte Truppen, eine Einheit Kroaten und eine Einheit Dragoner, ein unwegsames Waldgebiet. Links und rechts der großen Batterie waren insgesamt 3 große Tercios aufmarschiert. Auf der äußersten linken Flanke stand zusätzlich ein Regiment Kürassiere. Die Dänisch-Niedersächsische Armee hatte keine Tercios aufgestellt. Hier war die Infanterie in sogenannter niederländischer Ordonnanz formiert worden. Diese kleinen Einheiten vereinten große Feuerkraft auf kleinem Raum und eine gute Manövrierfähigkeit. Allerdings fehlte es ihnen an der Standfestigkeit der großen Tercios. An den Flanken der dänischen Schlachtlinie waren insgesamt 5 schwere Kavallerie-Regimenter in Stellung gegangen.

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Die Armee des Feldherren Tilly eröffnete das Gefecht mit einem allgemeinen Vormarsch der Truppen. Der Schwerpunkt des Angriffs lag auf dem linken Flügel, auf dem 2 Tercios und die Kürassiere vorrückten. Auf dem rechten Flügel marschierte ein weiteres Terico in Richtung Bach, während die leichten Truppen diesen bereits überquerten. Zunächst verhielten sich die Dänen abwartend, da man noch unsicher war, auf welcher Seite der Flankenangriff der feindlichen Reiterei schließlich erfolgen würde. Doch schon eine Runde später zeigte sich, dass der Flankenmarsch auf der linken Seite der dänischen Aufstellung eintreffen würde. Hektisch wurden nun weitere Kavallerie-Einheiten in dieses Gebiet verlegt. Unterdessen kam es auf derselben Flanke zu einem schweren Schusswechsel. Die dänische Artillerie schoss zwar vorzüglich, jedoch ließen sich die Tercios davon nicht beeindrucken und marschierten unbeirrt vorwärts. In der folgenden Runde kam es nun, durch das Eintreffen der katholischen Reiterei, unterstützt von leichten Truppen, zu schweren Nahkämpfen, die bald hin und her wogten. Die dänische rechte Flanke, ein Regiment Kürassiere, eine Einheit Dragoner und 4 Regimenter Infanterie standen unterdessen abwartend auf einem Hügelkamm. Erst das plötzliche schnelle Vorrücken der gegnerischen Kürassiere verursachte ein Handeln der Dänen…doch zu spät. Die kaiserlichen Kürassiere konnten die dänischen Reiter in die Flucht schlagen und in der Verfolgung auch die Dragoner vertreiben. Zusätzlich musste sich nun die gefährdete dänische Infanterie ins Karree begeben. Zur selben Zeit konnten sich auf der anderen Schlachtfeldseite ebenfalls die kaiserlichen Truppen im Nahkampf behaupten, wodurch die Armee der katholischen Liga als deutlicher Sieger hervorging. Da der Sieg vor allem durch die Kavallerie erzielt wurde, lässt sich nur wenig über die Tercios sagen. Zumindest hielten sie dem schweren Beschuss der Artillerie stand und konnten so das Zentrum in Schach halten. Wie sich die Tercios im Nahkampf verhalten, konnte aber leider nicht getestet werden.

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Schlachtfeld Lützen 1632

Nachdem ich vor rund einem Jahr am Lützen-Projekt von Frank Bauer (TACTICA 2014) beteiligt war, kam mir die Idee, das Schlachtfeld und den Ort Lützen einmal selbst zu besuchen. So richtig kann ich eine Schlacht und seine Ereignisse immer erst nachvollziehen, nachdem ich die Örtlichkeiten selbst gesehen und erlebt habe.

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Ich hatte mir vorab kaum Informationen und Berichte zum heutigen Zustand des Schlachtfeldes angesehen und so kam ich ohne großes Vorwissen in das Örtchen Lützen geradelt. Interessanterweise haben sich die Ausmaße Städtchens von rund 3.000 Einwohnern anscheinend kaum verändert. Um das Jahr 1632 waren, genau wie heute, die Gebäude der Kirche St. Viti und des Schlosses die größten und auffälligsten Bauwerke. Hinzugekommen sind in erster Linie ein hoher Wasserturm und ausgedehnte Wohngebiete am östlichen Stadtrand, wo einst dem Ort einige Gärten vorgelagert waren. Neu ist auch das schöne Rathaus im Stil der Neurenaissance von 1885, welches an gleicher Stelle wie sein Vorgängerbau steht. Im Jahr 1632 hatte Lützen einen rechteckigen Grundriss, zählte rund 300 Häuser und war von einer Stadtmauer mit 4 Toren, dem Leipziger Tor, dem Schlosstor, dem Knoblochtor und dem Hospitaltor sowie einigen Türmen umgeben. Gesichert wurde das Ganze zusätzlich durch einen Graben. Der Verlauf der alten Stadtmauer war im Osten parallel zwischen der Rudolf-Breitscheid-Straße und Promenade und im Westen zwischen der Ernst-Thälmann-Straße und Kuckhoffstraße. Im Norden markiert der Beginn der Gustav-Adolf-Straße den Standort des Leipziger Tores und der Mauer, im Süden grenzte die Stadtbefestigung an das Schloss. Die schon erwähnten Gärten im Osten, die außerhalb der Stadtmauern lagen, waren durch eine mannshohe Lehmmauer von den angrenzenden Feldern getrennt. Die Straßen im Ort verliefen früher rechtwinklig durch die Stadt, wodurch Lützen an eine römische Siedlung erinnert, was zumindest im Ortskern noch nachvollziehbar ist.

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Schloss und Museum

Das Schloss Lützen, im Süden des Ortes gelegen, wurde bereits 1252 erbaut und war ursprünglich, auch im Jahr 1632, mit einem Wassergraben umgeben. Heute liegt die Schlossanlage in einem kleinen Park. Vom 04. November bis zum 06. November 1632 wurde das Schloss als Hauptquartier Wallensteins genutzt. Am Tage der Schlacht wurde ein Teil der Bürger in die Gewölbe gesperrt, um zu verhindern, dass diese den Stadtbrand zu löschen versuchen. Heute ist in den Räumen ein Museum zu finden, welches sich mit der Stadtgeschichte und vor allem den beiden großen Schlachten, der von Lützen 1632 und der Schlacht von Großgörschen im Jahr 1813, auseinandersetzt. Neben der Dauerausstellung war bei meinem Besuch auch eine Sonderausstellung über den Feldherren Pappenheim in den unteren Räumen untergebracht. Toll ist, dass man den alten Turm besteigen kann, von dessen Spitze aus man einen großartigen Rundumblick auf den Ort und die umliegende Gegend hat. Neben dem Schloss und der Kirche gibt es leider nur noch ein Gebäude, welches auch schon zur Zeit des 30-jährigen Krieges gestanden hat. Es ist das mittlerweile mehrfach restaurierte Gasthaus „Zum roten Löwen“, das am Marktplatz, schräg gegenüber des Rathauses zu finden ist. Die schöne Kirche des Heiligen Vitus wurde im Jahr 1513 geweiht. Im Jahr 1631 wurde die Kirche von kaiserlichen Truppen geplündert, wobei die Orgel, der Altar und die Kirchenbibliothek beraubt und zerstört wurden. Überall im Ort findet man außerdem Hinweise auf die Ereignisse von 1632. Vor allem der schwedische König Gustav II. Adolf ist allgegenwärtig, sei es in Form von Straßennamen, Gedenksteinen oder Statuen.

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König Gustav II. Adolf

Im Nordosten führt die Bundesstraße 87 schnurgerade aus der Stadt hinaus in Richtung Leipzig. Es ist mehr oder weniger die gleiche Wegführung, wie schon zur Zeit des 30-jährigen Kriegs. Am Ortsausgang, an der Stelle, an der sich jetzt ein Supermarkt befindet, lag früher ein 1 bis 1,5 Meter hoher Erdhügel, auf welchem drei hölzerne Bock-Windmühlen standen. Vor den Mühlen war während der Schlacht von 1632 die große Batterie der kaiserlichen Truppen aufgestellt worden. Ein paar hundert Meter weiter stößt man rechter Hand auf das Ehrenmal des schwedischen Königs Gustav-Adolf und die Gedächtniskirche. An dieser Stelle wurde der berühmte Heerführer in der Schlacht getötet. Zunächst markierte die Todesstelle nur ein großer Findling. Erst im Jahre 1837 wurde der Stein mit einem Baldachin, entworfen von Schinkel, gekrönt. Später, im Jahr 1906, kam dann die Gedächtniskappelle hinzu. Auf dem Gelände befinden sich außerdem zwei kleinen Holzhütten aus Dalarna. In einer der Hütten sind der Museumshop und die Kasse, in der zweiten ein kleiner Ausstellungsraum untergebracht. Teil der Ausstellung ist auch ein Film, der die Geschichte der Gedenkstätte erläutert. Die Kapelle kann nur im Rahmen einer Führung (man sollte ein Kombiticket mit dem Schlossmuseum erwerben) besichtigen. Viele Schweden besuchen die Kapelle. So auch, als ich vor Ort war.

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Schlachtfeld

Auf der linken Straßenseite, gegenüber der Gustav-Adolf Gedenkstätte, sieht man die Felder, auf denen einst die Kaiserlichen Truppen ihre Schlachtreihen aufgestellt hatten. Das Schlachtfeld, wie auch die gesamte Gegend sind übrigens flach wie eine Schallplatte. Wenn man in Berichte von Hügel, wie zum Beispiel dem Windmühlenhügel liest, dann sind damit lediglich Bodenerhebungen von maximal 1 bis 1,5 Metern gemeint. Östlich der Straße, rund um die Gedenkstätte erhebt sich heutzutage ein Wald, in dem man einen Kletterpark und ein Tiergehege findet. Hier gab es im Jahr 1632 nur offene Flächen. Folgt man der Straße weiter nach Norden, so stößt man an den Floßgraben. Dieser Kanal wurde zwischen 1578 bis 1587 angelegt, um Holz über längere Strecken zu transportieren. Heute ich der Wasserlauf nur noch ein kleines Rinnsal, einst war er aber ein größeres Hindernis und verzögerte 1632 den Truppenaufmarsch der Schweden, deren Armee den Kanal auf dem Weg zum Schlachtfeld überqueren musste. Der Floßgraben begrenzt das Schlachtfeld im Nordosten, schlägt einen weiten Bogen im Osten und vereinigt sich im Südosten mit dem Mühlgraben, welcher das Schlachtfeld im Südwesten begrenzt. Ich habe übrigens im Ort direkt am alten Mühlgraben der jetzt Ellerbach heißt, zu Abend gegessen. Direkt am Ufer liegt jetzt ein griechisches Restaurant mit kleinem Biergarten. Nahezu unverändert findet man das Schlachtfeld im Süden, wo die Schweden ihre Truppen aufmarschieren ließen. Folgt man hier der Straße durch die Felder, gelangt man nach Meuchen, wo am Ortseingang noch immer die alte Kirche zu finden ist. In dieses Gotteshaus wurde nach der Schlacht der Leichnam König Gustav II. Adolf von Schweden gebracht und aufgebahrt. Nach der Reinigung des Körpers, wurde der König in das Geleithaus im nahegelegenen Weißenfels überführt.

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Diorama

Im Schlossmuseum ist auch ein großes Diorama mit Flachfiguren untergebracht. Das Diorama ist leider in einem nicht so guten Zustand und die Beleuchtung ist auch nicht optimal. Ich habe trotzdem mal ein paar Fotos geschossen, da man hier gut alle Geländemerkmale und Schlachtereignisse im Zusammenhang sieht.

Bücher

Es gibt eine ganze Reihe von guten Büchern zu diesem Thema. Ich kenne leider nur eine kleine Auswahl. Mein Tipp ist das Werk „Der Tod kam als Sachsengänger“ von Dieter Walz, in dem alle Schlachten des 30-jahrigesn Kriegs rund um Leipzig behandelt werden.

Die Schlacht bei Lutter am Barenberge

Auf einer meiner letzten Fahrradtouren führte mich mein Weg durch den nördlichen Rand des Harzes. Hier, südlich des kleinen Ortes Lutter am Barenberge, fand im Jahr 1626 die viergrößte Schlacht des 30-jährigen Krieges statt. Für mich Grund genug, um diese Gegend einmal etwas genauer zu erforschen und die Ereignisse dieser relativ unbekannten (zumindest für mich…) Schlacht zu ergründen.

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Dieser alte Stich stellt die unterschiedlichen Zeitabläufe vor, während und nach der Schlacht in einem Bild zusammen.

Vorgeschichte der Schlacht

Die Schlacht von Lutter am Barenberge stellt den militärischen Höhepunkt der so genannten Dänischen Phase oder besser gesagt des Dänisch-niedersächsischer Krieges (1623–1629) im Rahmen des 30-jährigen Krieges dar. Nach dem Sieg der Katholiken über die protestantischen Fürsten im Reich (Böhmisch-pfälzischer Krieg von 1618 bis1623) beschloss Frankreich, welches nun das Gleichgewicht der Kräfte in Europa bedroht sah, einen Kurs gegen die Habsburger einzuschlagen. Frankreich schmiedete eine Allianz mit Venedig und Savoyen und war auch für das Bündnis der protestantischen Herrscher in Nordeuropa verantwortlich, woraus im Jahr 1625 die Haager Allianz zwischen England, den Niederlanden und Dänemark entstand. Zum Heerführer dieser Allianz und des niedersächsischen Reichskreis, welcher in erster Linie für den Sold der Truppen aufkommen sollte, wurde Christian IV. von Dänemark gewählt, welcher durch den Besitz von Holstein zugleich auch deutscher Reichsfürst war. Seine Aufgabe sollte darin bestehen, Norddeutschland gegen die Truppen der Katholischen Liga zu sichern. Natürlich ging es Christian IV. auch darum, sein Reichsgebiet auszuweiten. Er hatte es auf Verden, Osnabrück und Bremen abgesehen.

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Der Ort Lutter am Barenberge von Norden aus gesehen.

Trotz eines Verbotes der Allianz und einem Versprechen gegenüber dem gegnerischen Feldherren Tilly nicht offensiv mit dem gebildeten Heer vorzugehen, marschierte König Christian IV. im Jahr 1625 gegen Verden und Nienburg. Also Städte, die sich schon im niederrheinisch-westfälischen Reichskreis befanden. In Reaktion auf dieses Vorgehen gestattete Kaiser Ferdinand II. nun Wallenstein ein Heer auszuheben, um die Truppen Tillys zu unterstützen. Mit der Bildung der Armee unter Wallenstein erhielt der Kaiser außerdem eine Streitmacht, die ihm direkt unterstand und ein Gegengewicht zu Tillys mächtigem Heer der Katholischen Liga bildete, welche eher dem Gründer der Liga, dem Kurfürsten Maximilian I. von Bayern folgte. Wallensteins Heer überwinterte im Raum Magdeburg und blockierte so den Weg an lang der Elbe nach Böhmen. Unterdessen lagerte Feldherr Tilly mit seinem Heer im östlichen Westfalen und in Hessen.

Mit seinem Verbündeten Ernst von Mansfeld und Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel (der toller Halberstädter genannt), dessen Heere am Rhein und im Raum Lübeck standen, plante Christian IV. für das Jahr 1626 einen Feldzug, der sich zunächst gegen Thüringen und dann gegen Süddeutschland richten sollte. Doch bereits am 25. April 1626 besiegte Wallenstein die Truppen des Feldherren Ernst von Mansfeld in der Schlacht an der Dessauer Elbbrücke. Mansfeld schaffte es noch, ein neues Heer aufzustellen, mit dem er dann nach Süden auswich. Er wurde jedoch von Wallenstein verfolgt, was ihn schließlich zur Flucht zwang. Kurze Zeit später starb Mansfeld in der Nähe von Sarajewo. Auch Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel war keine große Hilfe, denn er erkranke und starb am 16. Juni 1626. Im Sommer 1626 stand der dänische König Christian also allein den Truppen der Katholiken gegenüber.

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In Lutter gibt es ein kleines aber feines Heimatmuseum, welches sich auch mit den Ereignisse der Schlacht beschäftigt.

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Zunächst ging der dänische König mit seinem Heer, welches zu dieser Zeit bei Wolfenbüttel stand, nach Süden vor, um den kaiserlichen Feldherrn Tilly und seine Armee zu vertreiben. Am 16. August 1626 trafen beide Armeen bei Northeim aufeinander. Tilly erkannte die Übermacht der protestantischen Seite und zog sich nach Nörten-Hardenberg zurück, um auf Verstärkungen durch Truppen des Feldherren Albrecht von Wallenstein zu warten. Diese waren aus der Gegend von Blankenburg im Anmarsch und bestanden aus 2 Infanterie Regimentern (Colloredo und Cerboni) und 32 Reiter-Schwadronen (Altsachsen, Haußmann und Des Four), sowie 5. Kompanien Kroaten. Der Dänenkönig beschloss nun den Rückzug zur befestigten Stadt Wolfenbüttel. Bei dieser Absetzbewegung wurde Christians Heer angegriffen. Am 25. August 1626 kam es bei der Staufenburg in der Nähe von Seesen zu einem Gefecht zwischen Tillys Vorhut und Christians Nachhut. Dabei verloren die Dänen 600 Mann und zwei Geschütze. Schließlich mussten sich die verfolgten Dänen am 27. August 1626 zur offenen Feldschlacht im freien Gelände bei Lutter am Barenberge stellen.

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Armee der katholischen Liga

Oberbefehlshaber: Graf Tilly

  • General Jost Maximilian von Bronckhorst und Gronsfeld
  • General (der Artillerie) Graf Jacob Ludwig von Fürstenberg

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Der Feldherr der katholischen Liga, Johann Tserclaes Graf von Tilly, war ein Wallone aus dem heutigen Belgien, das damals noch zum Reich gehörte. Mit dem Sieg bei Lutter könnte er seine achtzehnte gewonnene Schlacht verbuchen. Seine Armee bestand in ihrer Masse aus Deutschen, zu denen einige berittene leichtbewaffnete kroatische Einheiten kamen. Eine genaue Zahlenangabe und eine vollständige Aufstellung der Regimentsnamen konnte ich leider nicht finden. Es sollen wohl insgesamt 15.000 Mann Infanterie, 5.000 Reiter und 18 Geschütze gewesen sein. Mir namentlich bekannt sind 8 Infanterie und 10 Kavallerie Regimenter. Es gibt einige farbige Handzeichnungen der Schlachtaufstellungen mit Namen der Regimenter. Diese Darstellungen stammen aus der Sammlung der Wilhelmshöher Kriegskarten, welche wohl im Jahre 1700 angefertigt worden sind. Die Namen der Regimenter sind allerdings zum größten Teil völlig andere, als die, welche in den schriftlichen Quellen genannt werden und somit für mich nicht zuzuordnen (Vielleicht hat jemand bessere Informationen? Über einen Hinweis würde ich mich freuen).

Die Parole für die Schlacht, die von Tilly ausgegeben wurde, lautete: “Seligste Jungfrau Maria”.

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Das bayrische Regiment Cronberg, die „Unüberwindlichen“ genannt, ritten allesamt schwarze Pferde, trugen schwarze Bekleidung und am schwarzen Helm einen weißen Totenkopf (Bild: Ausschnitt aus dem  Diorama “Schlacht bei Lutter a. B.” / Zinnfigurenmuseum Goslar).

Infanterie

  • Regiment Cerboni / 10 Komp. / Tomasso Cerboni
  • Regiment Colloredo / 10 Komp. / Rudolf von Colloredo
  • Regiment Herliberg / 1.500 / Jost Maximilian von Gronsfeld
  • Regiment Reinach / 2.500 / Hans Heinrich IX. Freiherr von Reinach
  • Regiment Schmid / 10 Komp. / Valentin Schmid von Wellenstein
  • Regiment Schönberg / Otto Friedrich Freiherr von Schönberg
  • Leibregiment Würzburg bzw. Alt-Tilly / Wolf Dietrich Truchsess von Wetzhausen
  • Regiment Fürstenberg / 13. Komp. / Graf Jacob Ludwig von Fürstenberg

Kavallerie

  • Regiment Altsachsen / Kürassiere/ 10 Esk. / Hans Rudolf von Bindtauf
  • Regiment Haußmann / Kürassiere / 6 Esk. / Friedrich Ruprecht Freiherr Husman
  • Regiment Des Four / Kürassiere / 10 Esk. / Nikolaus Des Fours
  • Regiment Cronberg / Kürassiere / Adam Philipp Graf von Cronberg
  • Regiment Cortenbach / Kürassiere / Adrian von Cortenbach
  • Regiment Schönberg / Arkebusiere / 10 Esk.-1.000 Reiter / Graf Otto Friedrich v. Schönburg
  • Regiment Bock / Arkebusiere / Matthias von Bock
  • Regiment Erwitte / Arkebusiere / 8 Esk.-500 Reiter / Dietrich Otmar von Erwitte
  • Regiment Lintelo / Arkebusiere / Timon von Lintelo zu Dalhausen
  • Regiment Gál / Kroaten /5. Komp.-500 bis 700 Reiter / Peter Gál

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Musketier im Heimatmuseum Lutter a. B.

Dänische Armee

Oberbefehlshaber: König Christian IV.

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Das Heer Christians setzte sich überwiegend aus Deutschen zusammen, nur die königliche Leibschwadron bestand aus Dänen – 300 Edelleuten -, außerdem nahm ein schwedisches Regiment aus Schonen an der Schlacht teil, da Südschweden damals noch zu Dänemark gehörte. Die Artillerie führte zum größten Teil 24 und 48 pfündigen Kanonen. Bedient wurden die Kanonen von jeweils 5 Artilleristen. Die Stärke des Armee König Christians soll ca. 12.000 bis 16.000 Mann Infanterie, 6.000 bis 6.500 Reiter (90 Eskadrons) und 20 bis 22 Geschütze betragen haben. Auch für diese Armee konnte ich keine Liste der an der Schlacht beteiligten Regimenter finden. In den Schlachtberichten werden 7 Infanterie Regimenter und 5 Kavallerie Regimenter namentlich genannt. In der Liste der Gefangenen und Verluste tauchen außerdem folgende Namen von Obristen auf, die ein Regiment geführt haben könnten:

  • Obrist Marquart Pens
  • Obrist Bilde (Däne)
  • Obrist Rosencranz (Däne)
  • Obrist Hans Sigmund von Frenck
  • Obrist Twachting
  • Obrist Wolf Heinrich von Wersebe
  • Obrist Görtzen (Infanterie)
  • Obrist Catlenburg
  • Obrist Lochhauschen
  • Obrist Graf von Stolberg
  • Obrist Gunternach
  • Obristlt. Ungefugt
  • Obristlt. Berend (Bernhard) Geist
  • General-Commissarius Sivert Powisch
  • General-Commissarius Rantzow

König Christian gab für den Tag der Schlacht die Parole “Für Religion und Vaterland” aus.

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Das kleine Diorama m Heimatmuseum Lutter a. B. zeigt die unterschiedlichen Truppenteile und das Lagerleben im 30-jährigen Krieg.

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  1. Treffen (Vordertreffen / Avantgarde) – General Hans Philipp von Fuchs von Bimbach.
  2. Treffen (Mitteltreffen) – König Christian IV.
  3. Treffen (Hintertreffen) – Otto Ludwig Graf von Salm

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General Hans Philipp von Fuchs von Bimbach. Er trug in der Schlacht eine weiße Ärmelweste, darüber einen grauen Oberrock

Infanterie

  • Regiment Lohausen (600 Mann)
  • Regiment Lintsdow /Linstow (600 Mann) Nikolaus von Lintsdow-Bellin
  • Regiment Mogens-Kaas
  • Leibregiment (das blaue Regiment) / Wilhelm von Kalkum
  • Regiment Schweden
  • Regiment Herzog Christian (2.000 Mann) / Laaradt Stell (???)
  • Regiment Nerprot (Erbrot) / Johann von Nerprot

Kavallerie

  • Regiment Solms / Arkebusiere / Graf Hermann Adolph von Solms-Hohensolms
  • Regiment Hessen / Arkebusiere / Philipp Landgraf von Hessen-Kassel
  • Regiment Courville / Arkebusiere / Nicolas de Courville
  • Regiment Rheingraf / Otto Ludwig Graf von Salm
  • Regiment Freitag / Leo von Freitag
  • Leibeskadron (300 adlige Reiter)

Artillerie

  • Große Batterie: 16 Geschütze
  • Kleine Batterie: 4 Geschütze

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Das Schlachtfeld

Die Schlacht fand in der Ebene des Lutterbeckens, einem relativ flachen Tal rund 30 Kilometer südwestlich von Wolfenbüttel statt. Das Tal ist heute wie einst, von dicht bewaldeten Hügeln umgeben. Im Norden führte eine alte Heerstraße durch das Dorf Neu Wallmoden aus dem Tal heraus. Im Süden wand sich die Straße hinter dem Ort Hahausen durch einen Engpass zwischen zwei Hügeln in Richtung Seesen. Auf halber Strecke zwischen den genannten Ortschaften liegt das Dorf Nauen. Im Nordosten befindet sich die größte Siedlung des Tales, der Ort Lutter am Barenberge. Südlich von Lutter, am Steimker Bach, findet man das Dörfchen Rohde. Eine zweite, kleinere Straße (heute die B248) führte von Nordost kommend durch Lutter und quer durch das Tal bis hinter Hahausen, wo sie in die Heerstraße mündete. Parallel zwischen den beiden Straßen fliesend, verläuft von Süd nach Nord der Bach Neile, der vom Steimker Bach im Zentrum und von der Hummecke und dem Mittelbach im Süden gespeist wird. Schauplatz der eigentlichen Kämpfe war vor allem der südliche Teil des Lutterbeckens und hier in erster Linie die Gegend auf beiden Uferseiten des Mittelbaches. Auf einer Anhöhe, dem Pöbbekenberg, lag die Stellung der Dänen und gegenüber, vor den Wasserläufen der Hummecke und des Mittelbaches, erstreckte sich die Position der katholischen Liga. Wo die Heerstraße den Mittelbach querte, befand sich eine steinerne Brücke. Der Mittelbach führte einst deutlich mehr Wasser, war an den Ufern mit Büschen bewachsen und mit stark morastigem Grund umgeben. Er stellte also ein schwer zu passierendes Hindernis dar. Am linken Ufer der Neile lag auf halber Strecke zwischen Hahausen und Nauen die Pöbbekenmühle.

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Blick vom Pöbbekenberg nach Süden in Richtung Hahausen.

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Blick vom Pöbbekenberg nach Norden Richtung Lutter a. B.

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Blick vom Pöbbekenberg nach Westen in Richtung Nauen.

Schlachtaufstellung

Tilly hatte am Vorabend der Schlacht sein Hauptquartier in Hahausen bezogen. Die Artillerie der katholischen Liga wurde in einer großen Batterie von 12 Geschützen zwischen Hahausen und dem Mittelbach unmittelbar vor der Brücke über diesen in Stellung gebracht. Die Batterie hatte man durch Erdaufwürfe und Astwerk verschanzt und jedes Geschütz hatte eine Bedeckung von Musketieren erhalten. Zudem wurde hinter der Batterie als Schutz das Leibregiment Würzburg gestellt. Rechts von der Brücke wurde Infanterie (Regiment???) und dahinter Leichte Kavallerie (Reg. Erwitte und Bock) postiert. Gegenüber der Brücke im Zentrum standen die Infanterie Regimenter Herliberg, Reinbach und Schmid sowie die Kavallerie-Regimenter Cronberg und Schönberg. Die Infanterie-Regimenter Cerboni und Colloredo wurden auf der äußersten linken Flanke in die lichten Waldgebiete geschickt. In dem gerodeten Gehölz auf der rechten Flanke in Richtung Rohde, standen leichte Infanterie und die Kroaten. Auf dieser Seite hatte Tilly auch die 3 schweren Kavallerie-Regimenter Des Four, Altsachsen und Haußmann auf einen Flankenmarsch geschickt. Sie sollten dem Weg nach Langelsheim nehmen und bis zur Dolger Kirche vorstoßen, um von hier aus den Dänen in den Rücken fallen zu können.

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König Christian IV. residierte am Abend vor der Schlacht in Nauen, wo er sein Hauptquartier im Riemenschneider Hof hatte. Gegenüber der Batterie der katholischen Liga stellen die Dänen eine Batterie von 16 Geschützen auf. Die Position der Batterie lag auf einer Anhöhe, rechts der Heerstraße zwischen Nauen und der Brücke über den Mittelbach. Auch die Dänen verschanzten ihre Artilleriestellung mit Erdaufwürfen und einem Graben. Gedeckt wurden die Geschütze durch ein Infanterie- und ein Kavallerie-Regiment. Auf und neben der Heerstraße, unmittelbar neben der großen Batterie, am Hang des Pöbbekenberges, auf Höhe der Pöbbenmühle stand die Vorhut unter dem Befehl von General Fuchs. Unmittelbar dahinter, auf dem Pöbbekenberg hatte König Christian mit dem Mitteltreffen Position bezogen. Die Schlachtaufstellung führte von hier aus bis zum Dorf Rohde. Auf der linken Seite dieser Aufstellung wurden zur Deckung der Flanke eine Batterie von 4 Geschützen eingerichtet und ebenfalls mit Schanzen versehen. Das Hintertreffen, unter dem Befehl von Rheingraf Ludwig Otto, lag auf Höhe des Ortes Lutter, an der Straße, die von der alten Heerstraße zum Ort führte. Den äußersten linken Flügel der dänischen Schlachtreihe vor dem Radberg, auf der Ostseite des Lutterbeckens, bildete das Regiment Schweden.

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Dieses und die folgenden Figuren-Bilder zeigen Ausschnitte aus dem Diorama “Schlacht bei Lutter a. B.” aus dem Zinnfigurenmuseum Goslar.

Die Schlacht

Der Kampfhandlungen begannen am Morgen des 27. August 1626 um 10 Uhr, als Tilly die drei schweren Kavallerieregimentern Des Four, Altsachsen und Haußmann auf ihren bereits erwähnten Flankenmarsch auf der rechten Seite schickte. Um dem Flankenmarsch etwas Zeit zu geben, eröffnete die Batterie der Katholischen Liga das Feuer erst gegen 11 Uhr.

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Kurz danach griff das Kavallerieregiment Cronberg die dänische Batterie an. Diesem Angriff folgten unmittelbar die Infanterie-Regimenter Herliberg und Reinach, sowie das Kavallerie-Regiment Schönberg. Die dänische Batterie und die dänische Reiterei unter dem Befehlshaber der Vorhut von General Hans Philipp von Fuchs von Bimbach schlugen den Angriff jedoch zurück und zwangen dabei das Regiment Cronberg zur Auflösung.

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Tilly sammelt die zurückflutenden Einheiten und schickt diese, verstärkt durch das Regiment Schmid erneut ins Gefecht. König Christian ließ daraufhin die rechte Flanke des Mitteltreffens vorrücken, um so den erneuten Angriff auf die dänische Batterie abzufangen. Dabei gerieten die Truppen jedoch in das Schussfeld der eigenen Kanonen, die daraufhin ihr Feuer einstellen mussten. Trotzdem gelang es den dänischen Infanterie-Regimentern Lohhausen, Lindsdaw und Mogens-Kaas den feindlichen Angriff über die Brücke und den Mittelbach zurückzudrängen und gegen die Batterie der Katholischen Liga vorzugehen. Bei diesem dänischen Gegenangriff wurden die Formationen der Regimenter Schönberg und Schmid durchbrochen und die Söldner in die Flucht getrieben.

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Nun wurde sogar die Bedeckung der kaiserlichen Batterie, das Leibregiment Würzburg attackiert. Gleichzeitig rücken die dänischen Kavallerie-Regimenter Hessen und Solms über den Mittelbach vor, griffen die dort stehende Infanterie an und drängten diese zusammen mit dem Leibregiment Würzburg auf die im 2. Treffen stehende Bandelier-Reiter zurück.

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Ein weiteres dänisches Kavallerie-Regiment wurde nun aus dem Mitteltreffen zum Angriff geführt und der König begab sich auf die linke Flanke, um dort gegen die feindlichen Truppen im Wald vorzugehen. Unterdessen hatte Tilly unter persönlichen Einsatz die fliehenden Truppen zum Stehen gebracht, durch Truppen aus dem Hintertreffen verstärkt und erneut in den Kampf geschickt. Tillys große Batterie hatte dem Angriff ebenfalls standgehalten und so konnte der Angriff der Dänen schließlich zum Stehen gebracht werden. Als schließlich die Kavallerie-Regimenter Erwitte und Bock die dänischen Front erreichen, drängen diese die Regimenter Solms und Hessen in sumpfiges Gelände zurück, genau dort, wo in der Mittelbach in die Neile mündet. Durch das ungünstige Terrain konnten die Reiter weder zurückweichen, noch durch andere Regimenter unterstützt werden. So wurden viele dieser Kavalleristen, samt ihren Obristen an Ort und Stelle niedergehauen. Der Rest floh nach Norden und ritt dabei durch die anrückende dänische Reserve hindurch, wodurch auch diese in Unordnung geriet und schließlich ebenfalls zurückwich. Tilly erkennt die günstige Lage und schickte nun weiter Einheiten, unterstützt von der großen Batterie ins Gefecht, wodurch der komplette dänische rechte Flügel zurückgeworfen wurde.

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Unterdessen gab König Christian seine Befehle auf dem linken Flügel. Hier gedachte er, einen Angriff auf die im lichten Wald und hinter dem Hummeke-Bach stehenden Kroaten zu unternehmen. Als ihn die Nachricht von der Niederlage auf den rechten Flügel erreichte, schickte er sofort Verstärkungen in diese Richtung und ließ die kleine Batterie bei Rohde das Feuer eröffnen.

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Er begab sich schließlich selbst auf die rechte Flanke. Ungefähr zu dieser Zeit, es muss gegen 13 Uhr gewesen sein, wurden ihm anrückende feindlichen Truppen auf der äußersten linken Flanke gemeldet, es handelte sich um die 3 Kavallerie Regimenter unter dem Befehl von Des Four. Er beorderte daraufhin die Kavallerie-Regimenter Rheingraf und Courville, zusammen mit dem Infanterie-Regiment Schweden den anrückenden Feinden entgegenzutreten. Doch die dänischen Regimenter waren durch die Rückzugsbewegungen und den jetzt einsetzten Beschuss aus dem Wald stark verunsichert. Vermutlich war dies auch der Zeitpunkt in welchem der General Fuchs von Bimbach im Zentrum des rechten Flügels getötet wurde.

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Auf einem Parkplatz an der B 248, auf dem Pöbbekenberg befinden sich das Grab und ein Gedenkstein für den kommandierenden Obristen Freiherr Hans Philipp von Fuchs von Bimbach, welcher an dieser Stelle vom Pferd geschossen wurde.

Das gesamte dänische Mitteltreffen wich daraufhin zurück und wurden schließlich vom Hintertreffen aufgenommen, wo Christian IV. die Reihen neu ordnen musste. Nun traten überraschend die beiden Infanterie-Regimenter Cerboni und Colloredo aus dem Waldgebiet der rechten Flanke.

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Fast gleichzeitig wurden die Dänen jetzt auf der linke und rechten Flanke attackiert und gerade in völlige Panik. Die dänischen Truppen fluten in Richtung Lutter zurück und versuchen den Engpass in Richtung Wolfenbüttel zu erreichen. Noch einmal kann Christian IV. einige Truppen sammeln, darunter das Leib-Regiment zu Fuß und seine Leibschwadron, um zumindest den Rückzug zu decken. Doch auch diese Verbände werden schließlich versprengt und von den Verfolgern gnadenlos niedergehauen. Nur mit Mühe kann der König nach Wolfenbüttel entkommen.

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Der Stallmeister Wenzel von Rothkirch rettet seinen König auf dem Rückzug vor einem feindlichen Angriff.

Zwei dänische Regimenter können sie in Lutter im Amtshaus verschanzen, müssen sich aber schließlich ergeben und geraten in Gefangenschaft.

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Im Hintergrund die Kirche und das Schloss in Lutter.

Die Angeben über die Verluste schwanken erheblich. Bei den Dänen werden Zahlen zwischen 1.500 bis 10.000 genannt, bei den Katholiken spricht man von 200 bis 4.000 Toten.

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Nach der Schlacht bei Lutter gaben bis auf die Herzöge von Mecklenburg sämtliche norddeutsche Fürsten ihre Unterstützung für Christian IV. auf. Die Schlacht leitete bereits früh das allmähliche Ende des Dänisch-Niedersächsischen Kriegs ein. Dieser Teilkrieg des Dreißigjährigen Krieges endete 1629 mit dem Lübecker Frieden.

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Im Heimatmuseum sind auch einige Fundstücke vom Schlachtfeld ausgestellt.

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Zinnfiguren-Museum Goslar

Eine meiner letzten Fahrradtouren hat mich in die kleine Stadt Goslar geführt. So hatte ich Gelegenheit, das bekannte Zinnfiguren-Muesum und die sehenswerte Altstadt zu besichtigen.

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Das Zinnfiguren-Museum Goslar ist mitten in der Altstadt, in einer alten Wassermühle zu finden. Im Eingangsbereich sind neben dem Verkaufsraum auch eine große Werkstatt und eine Ausstellung zum Thema „Herstellung von Flachfiguren“ angesiedelt. Über mehrere Etagen geht man dann durch die unterschiedlichen Ausstellungen, die in Flachfiguren-Dioramen die Geschichte der Stadt und der Region zeigen. Ich habe mittlerweile schon einige Flachfiguren-Museen besichtigt (Plassenburg, Torhaus Dölitz, Amelinghausen, Schloss Lützen) und muss sagen, dass die Dioramen und Figuren des Museums Goslar eine sehr hohe Qualität besitzen und die Einrichtung und Beleuchtung sehr gepflegt sind. Nachfolgend eine Auswahl an Figuren und Dioramen:

Stadtgeschichte:

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Bürgerliches Goslar:

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Entstehung einer Zinnfigur:

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Oberharzer Wasserwirtschaft / Bergbau:

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30-jähriger Krieg

Eine Schwerpunkt bilden die Dioramen des 30-jähriges Krieges. Das mit Abstand größte Diorama behandelt die Schlacht von Lutter am Barenberge, die nicht weit von Goslar ausgetragen wurde (dazu mehr in einem weiteren Bericht).

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Die Schrecken des Krieges

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Mutter Courage

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Verschiedenes

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Phantastische Filmwelten in Zinn

Die derzeitige Sonderausstellung „Phantastische Filmwelten in Zinn“ zeigt, dass das Museum nicht auf der Stelle tritt, sondern auch aktuelle Themen wie Game of Thrones und Herr der Ringe angeht. Und wer dachte, Fantasy und SF als Flachfiguren gibt es gar nicht, der hat sich schwer getäuscht…

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Homepage des Museums: http://www.zinnfigurenmuseum-goslar.de/

Die Stadt Golsar

Natürlich sollte man auch die Stadt selbst besichtigen. Neben den schönen Kirchen und Fachwerkhäusern ist vor allem die Stadtmauer mit ihren Toren und Türme, sowie die Gebäude der Kaiserpfalz sehenswert.

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Russische Armee 1813

Zur Abwechslung zu meinen Franzosen und Preußen, habe ich begonnen eine kleine russische Armee der Befreiungskriege aufzubauen. Zum einen können diese Figuren meine preußischen Truppen ergänzen (Russisch-Deutsche Legion) und zum anderen gibt es im Maßstab 1/72 eine große Auswahl an schönen Figuren zu diesem Thema. Die Russen sind außerdem eine interessante Armee-Variante zu den Franzosen und Preußen. Während bei den Franzosen die Vorteile in der guten Kommandostruktur und der möglichen Vielfalt und Qualität der Truppen liegen, können die Preußen besonders große Einheiten und Massen an Truppen (wenn auch von minderer Qualität) ins Feld führen. Bei den Russen liegt die Stärke in der Artillerie.

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Nachfolgend ein kleiner Exkurs zur Organisation der russischen Armee von 1813.

Die russische Armee im Jahre 1813

Organisation

Grundsätzlich bestand eine Infanterie-Division aus 4 Infanterie- und 2 Jäger-Regimentern, die jeweils paarweise zu 2 Infanterie- und 1 Jäger-Brigade eingeteilt waren. Eine Kavallerie-Division hatte 4 Regimenter in 2 Brigaden. Jede Infanterie-Division erhielt eine Artillerie-Brigade von 1 schweren und 2 leichten Batterie zugeteilt. Die reitenden Batterien blieben für gewöhnlich in der Reserve. Durch den lang andauernden Feldzug und die zahlreichen Einsatzorte waren allerdings viele Verbände geteilt oder neu zusammengestellt worden.

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Infanterie

Im Frühjahr 1813 existierten 98 Linien-Infanterie-Regimenter und 50 Jäger-Regimenter. Jedes Linien oder Jäger-Regiment hatte 3 Bataillone mit einer Sollstärke von 738 Mann von 4 Kompanien, von welchem das 1. und das 3. Bataillon ins Feld geschickt wurden, wobei das 2. Bataillon, mit Ausnahme der Grenadierkompanie, als Reserve und im Depot zurückblieb. Aus den Grenadierkampanien des 2. Bataillons wurden je Division 2 Bataillone zu 3 Kompanien zusammengestellt. Durch die hohen Verluste im Feldzug von 1812/1813 reduzierte sie die Stärke der Regimenter im Feld jedoch oft auf nur 1 Bataillon. Die Reserve-Bataillone, die den Regimentern zur Verstärkung nachgeschickt wurden, erreichten diese aufgrund der ungeheuren Entfernungen oft nicht und wurden deshalb häufig zu eigenen Brigaden zusammengeschlossen. Als die russische Armee preußischen Boden betrat, hatten viele Regimenter nur noch eine Stärke von 150-200 Mann. Bis Mitte Juli waren rund 70.000 Mann an Verstärkungen ins Feld geschickt worden. So bestand ein Großteil der Mannschaften aus kriegsunerfahrenen Rekruten und häufig älteren Männern.

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Kavallerie

Im Frühjahr 1813 gehörten zu den russischen Streitkräften 59 Linien-Kavallerie-Regimenter. Anfang 1813 sollten alle Kavallerie Regimenter auf eine Stärke von 7 Schwadronen gebracht werden. Diese Änderung resultiere für die Husaren und Ulanen Einheiten, die vorher 10 Schwadronen besaßen, in einer Verminderung der Truppenstärke, während die übrigen Kavallerie-Gattungen, die vorher nur 5 Schwadronen besaßen, verstärkt wurden. 6 Schwadronen je 208 Mann mit 179 Pferden dieser Neuordnung waren für das Feld und 1 Schwadron für das Depot gedacht. Die neue Organisation konnte natürlich nicht sofort umgesetzt werden und so finden sich im Feldzug von 1813 Kavallerie-Regimenter mit 2 bis 6 Schwadronen.

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Artillerie

Im Frühjahr des Jahres 1813 standen insgesamt 27 russische Artillerie.-Brigaden bzw. 81 Kompanien / Batterien im Feld. Eine Kompanie führte jeweils 12 Geschütze, wobei man zwischen der Positions- (Schwere) Batterie, der leichten Batterie und der reitenden Batterie unterschied. Die Positions-Batterie bestand aus 4 20-pf Einhörnern (Haubitzen), 4 mittleren und 4 leichten (etwas kürzeren) 12-pf Kanonen. Die leichte Batterie hatte 4 12-pf Einhörner und 8 6-pf Kanonen und die reitende Batterie 6 12-pf Einhörner und 6 6-pf Kanonen.

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Kosaken

Nach und nach wurden immer weitere Kosaken-Regimenter ausgehoben, bis schließlich im Frühjahr 1813 70 Don-, 8 Baschkiren-, 3 Kalmücken-, 2 Tataren-, 2 Teptjare, 3 Bug-, 2-Orenburger-, 3 Ural- und 1 Schwarzmeer-Regiment im Feld standen. Die Don-Regimenter wurden nach ihrem Chef, der nicht zwangsläufig Kommandeur der Einheit sein musste, benannt, während die übrigen Kosaken-Regimenter nummeriert wurden.

Landwehr

Die im Jahre 1812 ausgehobene Landwehr (Opolochenie = Aufgebot) Einheiten waren im Jahr 1813 endlich soweit ausgerüstet und ausgebildet worden, dass diese für das Feld einsatzbereit waren.

Napoleonische Kriege in Norddeutschland – Russische Truppen / Teil 2

Einleitung

Im Sommer 1813, während des ausgehandelten Waffenstillstandes wurden die Einheiten der russischen Armee verstärkt und neue Verbände zusammengestellt. Eine dieser neuen Verbände war die kaiserlich-russische Armee von Polen, die unter dem Befehl des Freiherrn von Bennigsen (in den Grafenstand wurde er erst nach der Völkerschlacht von Leipzig erhoben) stand. Die Armee sah während des Jahres 1813 eine ganze Reihe von unterschiedlichen Einsatzgebieten, nahm an Belagerungen und auch an der Völkerschlacht selbst teil. Nach der Schlacht bei Leipzig wurden einzelnen Korps und Divisionen für unterschiedlichen Aufgaben abgestellt und die Armee in viele kleine Verbände geteilt. Im Wesentlichen hatte die kaiserlich-russische Armee von Polen den Auftrag die Elbfestungen Dresden, Magdeburg, Wittenberg, Torgau und Hamburg zu belagern und einzunehmen. Einige Einheiten wurden zu einem kleinen Korps vereinigt und der Nordarmee unterstellt, wobei dieses im Laufe des Feldzuges wieder vor Hamburg mit der restlichen Armee von Polen zusammentraf. Im Folgenden wird die Situation und Zusammensetzung der kaiserlich-russische Armee von Polen beleuchtet, die im Rahmen des Feldzuges von 1813/1814 an der Belagerung von Hamburg teilnahm.

Die kaiserlich-russische Armee von Polen

(Belagerung von Hamburg 1813 – 1814)

Generalstab

  • Kommandierender: Gen. der Kavallerie Graf Levin August von Bennigsen
  • Chef des Generalstabes: Gen.-Lieut. von Oppermann
  • General Quartiermeister: Gen.-Maj. von Berg
  • General du Jour: Generalmajor Insov
  • Chef der Artillerie : Generalmajor Reswoy

Der Generalstab der kaiserlich-russische Armee von Polen vor Hamburg in den Jahren 1813/1814 bestand aus 5 Generälen und ihren Adjutanten. Dazu kamen 120 weitere Offiziere sowie 600 Mannschaften und Unteroffiziere, die für diesen Dienst aus allen Truppengattungen abgestellt wurden. Das erste Hauptquartier lag in Bergedorf, wo Bennigsen im „Mindschen Hause Stadt Lübeck“ und der Generalstab im Amtshaus untergebracht waren. Das Hauptquartier wechselte später nach Pinneberg, wo es im Haus des Kremers August Baron von Kuntzrock residierte. (das jetziges Haus Dingstätte Nr. 23).

Levin August von Bennigsen

Bennigsen

Levin August von Bennigsen (geb. 10. Februar 1745) war der Sohn des braunschweigischen Obersten Levin Friedrich von Bennigsen und dessen Ehefrau Henriette Marie von Rauchhaupt. Nach einer militärischen Ausbildung stieg Bennigsen während des Siebenjährigen Krieges in der hannoverschen Armee bis zum Hauptmann auf. Nach dem Tod seiner Vaters schlug er zunächst eine kaufmännische Laufbahn ein, scheitere jedoch und musste 1772 Konkurs anmelden. Schließlich trat er 1773 als Premiermajor in das Wjatkaschen Musketier-Regiment des russischen Heeres ein. Er nahm in den darauffolgenden Jahren an den russischen Feldzügen gegen die Türken und Perser teil und kämpften an unterschiedlichen Schauplätzen, bis er 1802 schließlich zum General der Kavallerie ernannt wurde.

Im Oktober 1806 rückte Bennigsen mit einem starken Hilfskorps in Preußen ein und behauptete sich bei den Kämpfen bei Pułtusk gegen den heftigen Angriff des französischen Heeres unter Napoléon Bonaparte am 26. Dezember 1806, wodurch das russische Heer vor einer Niederlage gerettet wurde. Zar Alexander ernannte ihn dafür am 1. Januar 1807 zum Oberbefehlshaber der Armee. Als solcher errang Bennigsen gegen die Franzosen zwischen dem 7. und 8. Februar 1807 in der Schlacht bei Preußisch Eylau ein Unentschieden, musste jedoch schwere Verluste in Kauf nehmen. Durch falsche Entscheidungen erlitt Bennigsen in der Schlacht bei Friedland eine entscheidende Niederlage, welche dann 1807 den Frieden von Tilsit zur Folge hatte.

Bennigsen nahm seinen Abschied und zog sich für die folgenden fünf Jahre auf seine Güter in der Nähe von Vilnius zurück. 1812 wurde Bennigsen auf Wunsch von Generalfeldmarschall Kutusow zum Chef des Generalstabes ernannt. Trotz dieser Aufgaben nahm Bennigsen am 7. September 1812 an der Schlacht von Borodino teil und besiegte General Joachim Murat am 18. Oktober in der Schlacht bei Tarutino. Differenzen mit Generalfeldmarschall Kutusow bewegten Bennigsen zu einem mehrmonatigen Urlaub. Doch bereits Anfang 1813 holte ihn Zar Alexander I. mit der Beförderung zum Oberbefehlshaber der Reservearmee, welche in Polen aufgestellt worden war, wieder zurück. Mit diesem Heer besetzte Bennigsen im Juli desselben Jahres das Herzogtum Warschau. Dort besiegte er am 12. Oktober General Laurent de Gouvion Saint-Cyr in der Schlacht bei Dohna. Anschließend führte er seine Armee in Eilmärschen nach Leipzig, wo er vier Tage später maßgeblich an der Völkerschlacht bei Leipzig beteiligt war. Sein rechtzeitiges Eintreffen am 17. Oktober sicherte den Sieg der Verbündeten. Bennigsen nahm persönlich die Kapitulation des Königs von Sachsen, Friedrich August I. entgegen.

Noch in Leipzig wurde Bennigsen durch Zar Alexander I. persönlich in den russischen Grafenstand erhoben. Bis zum ersten Pariser Frieden am 30. Mai 1814 belagerte Bennigsen mit Teilen seiner Armee u.a. Hamburg, Magdeburg, Torgau und Wittenberg.

Korps Dochturow

Dochturow

Dmitri Sergejewitsch Dochturow (geb. 15. Oktober 1756) war zu Beginn der napoleonischen Kriege einer der populärsten russischen Generäle. Er führte als Generalleutnant in der Schlacht bei Austerlitz die erste russische Kolonne auf dem linken Flügel. Nach der Niederlage rettete er deren Reste von ungefähr 8.000 Mann vor dem Untergang, indem er sie unter Zurücklassung sämtlicher Geschütze durch die feindlichen Linien hindurch zurückführte. In den Feldzügen von 1806/07 nahm er an den Schlachten bei Golym, Preußisch Eylau und Friedland teil. 1810 wurde er General der Infanterie. Bei Borodino im Jahre 1812 kommandierte er zunächst das russische Zentrum und übernahm nach Bagrations Tod den linken Flügel. Seit 1936 gibt es übrigens in Leipzig einen Dochturowweg, der an den General erinnert.

Kommandierender: General-Lieutenant Dochturow                            Chef des Generalstabes: Oberst- Lieutenant Teuner

Von der 13. Infanterie Division

Briagde General-Major Rossy

  • Velikie-Luki Infanterie-Regiment / 3 Bat. – Oberst Golowin
  • Galich Infanterie-Regiment / 3 Bat. – Gen-Major Lindfors

26. Infanterie Division / Gen. Paschkewitsch (ab 8.2.1814 Gen.-Lt. Emme)

Brigade Oberst Tschemschuschnikow

  • Nizhnii-Novgorod Infanterie-Regiment / 2 Bat. – Major Akermann
  • Orel Infanterie-Regiment / 2 Bat. – Gen.-Major Paskiewitsch

Brigade Gen.-Major Sawoyna

  • Ladoga Infanterie-Regiment / 2 Bat. – Gen.-Major Sawoyna
  • Poltava Infanterie-Regiment / 2 Bat – Oberst Damerow II.

Brigade Gen.-Major. Kollogribow

  • Jäger Regiment / 3 Bat. – Gen.-Major Vogel
  • Jäger Regiment / 3 Bat. – Oberst-Lt. Trubtscheniow

Artillerie

  • Schwere Batterie Nr. 22 / Obert Kolotinsky
  • Schwere Batterie Nr. 26 / Oberst-Lt. Schulmann
  • Schwere Batterie Nr. 45 / Oberst Begunow
  • Leichte Batterie Nr. 1 / Oberst-Lt. Schischkin
  • Leichte Batterie Nr. 18 / Oberst-Lt. Hinne
  • Leichte Batterie Nr. 47 / Oberst-Lt. Schurakowsky
  • Mineur-Kompanie / Oberst-Lt. Asanassiev III.
  • Sappeur-Kompanie / Captain. Schtender
  • Pontonier Kompanie Nr. 1
  • Pontonier Kompanie Nr. 2

Korps Markov

Markov

Yevgeni Ivanovich Markov (geb. 1769) kommandierte im Januar 1807 eine der drei Avantgarden unter Bennigsen in Polen. Am 24. Januar überraschte und besiegte er einen Teil von Bernadottes Korps bei Liebstadt und am 25. Januar traf er mit 25.000 Mann bei Mohrungen erneut auf Bernadotte. Markov kommandierte am 7./8. Februar 1807 bei Eylau eine der Kavallerie-Divisionen und war im März Befehlshaber des rechten Kavallerie-Flügels. Im Jahr 1812 kommandierte Markov das X Korps in Tormasovs 3. Armee des Westens und nahm an den Kämpfen vom 27. Juli in Kobryn und am 12. August bei Gorodetschna teil. Er diente dann unter Chichagov, wurde aber von diesem wegen Inkompetenz entlassen, da er trotz seines hohen Ranges schwere strategische Fehler beging und beispielsweise beim Lesen von Karten Straßen mit Flüssen verwechselte. Im Jahr 1813 diente er schließlich unter Bennigsen in der russischen Armee von Polen und nahm als Teil dieser aktiv an den Kämpfen während der Belagerung von Hamburg teil.

Kommandierender: General-Lieutenant Markov

16. Infanterie Division – Gen.-Major Bulatov

Brigade Gen.-Major Sucharev

  • Neutchlot Infanterie-Regiment / 3 Bat. – Oberst Balla
  • Mingrelia Infanterie-Regiment / 3 Bat. – ???

Brigade ???

  • 27. Jäger Regiment / 3 Bat. – Oberst Pantenius
  • 43. Jäger Regiment / 3 Bat. – Oberst Jergoldsky

Artillerie

  • Schwere Batterie Nr. 16 – Obrist Poll
  • Reit. Artillerie Batterie Nr. 30 – Gt. Cav. Korsakow
  • Reit. Artillerie Batterie Nr. 10 – Lt. Zerbikow

Das Kosaken Korps

Kommandierender: Gen.-Maj. Fürst Bagration

  • Don Kosaken-Reg. – Oberst Platow V. (Stoganov? / Nordarmee)
  • Don Kosaken-Reg. – Gen.-Lt. Andrianow III. (Stoganov? / Nordarmee)
  • Don Kosaken-Reg. – Oberst-Lt. – Schamschewa II.
  • 3. Orendburg Kosaken-Reg. – ???
  • 4. Ural Kosaken-Reg. – Major Nasarow
  • 5. Ural Kosaken-Reg. – ???
  • 9. Baschkiren (Bashkir) Reg (Stroganov? / Nordarmee)
  • 11. Baschkiren (Bashkir) Reg (Stroganov? / Nordarmee)
  • 14. Baschkiren (Bashkir) Reg.
  • 15. Baschkiren (Bashkir) Reg.

Anmerkung: Die Frage der Baskir und Kosaken Regimenter habe ich schon im Teil 1 dieser Abhandlung erläutert. Sie gehörten wohl zum Korps Stroganov der Nordarmee.

Kavallerie-Korps Chaplitz

Chaplitz

General-Lieutenant Efim Chaplitz (geb. 1768) war polnischer Herkunft und diente erstmals in den Jahren 1793 und 1794 in der russischen Armee. In den Jahren von 1796 bis 1806 brachte er es bis zum Kommandeur des Pavlograd Husaren Regiments. In den Jahren 1809/10 wurde Chaplitz zum Kommandeur der 7. Kavallerie-Division ernannt. Im Jahr 1812 unterstand ihm bereits das Reserve-Kavallerie-Korps der 3. Armee des Westens. In den Kämpfen dieses Jahres zeichnete er sich bei Kobrin, Slonim und an der Berezina aus. Bei Slonim vernichteten seine Einheiten das 3. Garde Lancier Regiment (Junge Garde) unter dem Kommando von Jan Konopka, dem Helden von Albuera. In der Kampagne des Jahres 1813 erhielt er das Kommando über die Kavallerie der russischen Armee von Polen, kämpfte bei Leipzig und stand schließlich im Dezember als Belagerer vor den Toren Hamburgs. Er nahm an den Kämpfen um Hamburg Anfang 1814 teil und wurde schließlich im am 18. April Kommandeur des 3. Korps der russischen Armee von Polen.

Kommandierender: General-Lieutenant Chaplitz (Tschaplitz)

Ulanen Division / General-Major Baron Kreutz

Gen.-Maj. Argamakow (diese Brigade wird am 04.01.1814 an die Nordarmee abgegeben)

  • Ulanen Regiment Taganrog / 4 Esc. (630) – Gen.-Lt. Mussin Puschkin
  • Ulanen Regiment Sibirien / 2 Esc. (180) – Gen.-Major Baron Kreutz
  • Ulanen Regiment Zhitomir / 2 Esc. (190) – Gen.-Major Agramakow

Gen.-Maj. Djadkow

  • Ulanen Regiment Orenburg / 2 Esc. (220) – Gen.-Major Djadkow
  • Ulanen Regiment Wladimir / 2 Esc. (404) – Gen-Lt. Barkow
  • Ulanen Regiment Litthauen / 2 (4?) Esc. (???) – Oberst Baron Benningsen (?)

Leichte Kavallerie Division / Gen.-Lieut Schepelew

Oberst Baron Bennigsen (???)

  • 1. zusammengesetztes Husaren-Reg. / 5 Esc. – ???
  • zusammengesetztes Dragoner-Reg. / 5 Esc. – Major Siripka
  • 1. zusammengesetzten Jäger- Reg. / 4 Esc. – Major Hoffmann

Oberst Klebek

  • 2. zusammengesetzten Jäger- Reg. / 4 Esc. – Major Keltowsky
  • 1. zusammengesetzten Ulanen- Reg. / 5 Esc. – Oberst Baron Benningsen (?)
  • 2. zusammengesetzten Ulanen- Reg. / 4 Esc. – Oberst Klebek

Zusätzlich (?)

  • Irkutsk Husaren-Regiment
  • Pereiaslav reitendes Jäger-Regiment
  • Tiraspolreit. reitendes Jäger-Regiment

Artillerie

  • Reit. Artillerie Nr. 2 / Oberst-Lt. Reging

Anmerkung: Die Aufstellung des Kavallerie-Korps Chaplitz enthält einige Ungereimtheiten. Woher die „zusätzlichen“ Regimenter Irkutsk, Pereiaslav und Tiraspolreit stammen und wo sie eingesetzt wurden, konnte ich bisher nicht ermitteln. Es fehlen außerdem einige Namen der Regiments-Kommandeure sowie einige Mannschaftsstärken.

Korps Tolstoy (trifft erst ab 02. Februar 1814 vor Hamburg ein)

Tolstoy

Pyotr Aleksandrovich Tolstoy (geb. 1761) wird am 17. Juni 1812 zum Kommandeur der Landwehr der Gebiete Kazan, Nizhnii-Novgorod, Penza, Kostrom, Sibiren und Vyatskaya gyberniy ernannt. Zunächst überwacht er selbst die Aufstellung der Verbände und nimmt dann als ihr Kommandeur im Feldzug desselben Jahres teil. Im Jahr 1813 wird sein Korps Teil der russischen Armee von Polen, die unter dem Kommando des General Bennigsen steht und welche zunächst nach Böhmen in Marsch gesetzt wird. Während der Schlacht bei Leipzig steht das Landwehr Korps des Gen-Lt. Tolstoy vor der Stadt Dresden, um dort die französischen Truppen zu blockieren. Später werden seine Truppen nach Magdeburg und schließlich im Jahr 1814 nach Hamburg verlegt, wo er aktiv an den Kämpfen um die Stadt teilnehmen.

Kommandierender: General-Lieutenant Graf Tolstoy

Chef des Generalstabes: Obrist Murawiew

1. Infanterie Miliz (Opolochenie) Korps

Kommandierender: Gen.-Major Muromoc

  • 1. Nizhnii-Novgorod Opolochenie Inf.-Reg. / 3 Bat. – Oberst Karateiov
  • 2. Nizhnii-Novgorod Opolochenie Inf.-Reg. / 3 Bat. – Oberst Powinsky
  • 3. Nizhnii-Novgorod Opolochenie Inf.-Reg. / 3 Bat. – Oberst Suriew
  • 4. Nizhnii-Novgorod Opolochenie / Inf.-Reg. 3 Bat. – Oberst Rall I.
  • 5. Nizhnii-Novgorod Opolochenie Inf.-Reg. / 3 Bat. – ???
  • 1. Kasan Opolochenie / Inf.-Reg. 3 Bat. Oberst-Lt. Tschitschagow

2. Infanterie Miliz (Opolochenie) Korps

Kommandierender: Gen.-Major Titow

  • 1. Pensa Opolochenie Inf.-Reg. / 3 Bat. – Oberst Selinsky
  • 2. Pensa Opolochenie Inf.-Reg. / 3 Bat. – Oberst Dimitref
  • 3. Pensa Opolochenie Inf.-Reg. / 3 Bat. – Oberst Beketew
  • 3. Riazan Opolochenie Inf.-Reg. / 3 Bat. – Obsert Rinkewitsch
  • 1. Riazan Opolochenie Jäger-Reg. / 3 Bat. – Oberst-Lt. Maslow

Artillerie

  • Schwere Batterie Nr. 52 / Oberst-Lt. Sasinsky
  • Leichte Batterie Nr. 64 / Captain Notbek
  • 4 Stück leichte Kanonen der Penza Opolochenie
  • Pionier-Kompanie des Captain Schewitsch

Miliz Kavallerie-Division / Gen.-Maj. Fürst Tenishev

Brigade Oberst Kaslov

  • Pensa Opolochenie Kav.-Reg. / 5 Esc. – Gen-Maj. Tenishev
  • Simbrisk Opolochenie Kav.-Reg. / 5 Esc. – ???
  • Nishegorod Opolochenie Kav.-Reg. / 5 Esc. – Oberst Kaslow

Brigade Oberst Nebolsin

  • Kostroma Opolochenie Kav.-Reg. / 5 Esc. – Oberst Rebolsin
  • Riazan Opolochenie Kav.-Reg. / 5 Esc. – Oberst Maslow
  • Kasan Opolochenie Kav.-Reg. / 5 Esc. – ???

Artillerie

  • Reit. Artillerie Batterie Nr. 22 / Oberst-Lt. Chowena

Zusätzliche Einheiten

Ab 29. März 1814 (von Glogau kommend)

Brigade General Ismailow (ca. 6.000 Mann)

  • 1st Riasan Opolochenie Regiment
  • 2nd Riasan Opolochenie Regiment
  • 4th Riasan Opolochenie Regiment
  • 2nd Riasan Opolochenie Jager Regiment

Offizier und Soldaten der Landwehr Russland

Zusammen war die Armee vor Hamburg stark: 63 Bataillone Infanterie, 74 Eskadronen Kavallerie, 13 ½ Batterien mit 156 Kanonen, 10 Kosaken-Regimenter und 5 Kompanien Mineure. Pioniere usw. Beim Abmarsch der russisch-polnischen Armee aus Hamburg soll diese eine Stärke von 1.172 Offizieren und 37.735 Unteroffizieren und Mannschaften gehabt haben. Dazu kamen 17.010 Pferde. Die Armee bestand zu diesem Zeitpunkt aus 8 Infanterie-Regimentern, 4 Jäger-Regimentern, 2 reitenden Jäger-Regimentern, 6 Ulanen-Regimentern, 1 Husaren-Regiment, 7 Kosaken-Regimentern und einem Kosaken-Detachement, 5 Artillerie-Kompanien, 4 leichten Artillerie-Kompanien, 3 reitenden Artillerie-Kompanien, 4 Sappeur-Kompanien und 3 Pionier-Kompanien.

Ereignisse und Bewegungen nach der Schlacht bei Leipzig

 25. Oktober 1813

Bennigsen soll die Städte Wittenberg und Torgau belagern, welche durch französische Truppen aus Dresden verstärkt wurden.

26. Oktober 1813

Bennigsen soll auf Befehl des russischen Kaiser einen Teil seiner Armee dem schwedischen Kronprinzen direkt unterstellen und mit den restlichen Truppenteilen die Elbfestungen Dresden und Magdeburg belagern.

Die Einheiten, welche an dem schwedischen Kronprinzen unterstellt werden, erhalten als Kommandeur den Generalleutnant Graf Stroganov. Er wird mit seinem Korps von rund 12.000 Mann in Marsch gesetzt, um sich dem Korps Winzigrode in Verbindung zu setzten.

26. November 1813

Bennigsen erhält vom russischen Kaiser den Befehl, die Belagerung von Magdeburg in andere Hände zu übergeben und zusammen mit der Nordarmee gegen die französischen Truppen Davouts in Hamburg sowie die feindlichen dänischen Truppen in Holstein zu operieren.

1. Dezember 1813

Auf Befehl von Bennigsen marschiert Gen.-Lt. Markov mit seinen Truppen von seiner Stellung vor Dresden in Richtung Magdeburg. Durch die neue Befehle des russischen Kaisers (die Belagerung von Hamburg) wird Markov über Brandenburg nach Holstein beordert.

9. Dezember 1813

Die Kavallerie (Leichte Kavallerie Division) unter dem Befehl des Gen.-Lt. Chaplitz marschiert von Magdeburg nach Erxleben.

10. Dezember 1813

Die Truppen unter dem Befehl von Bennigsen marschieren in zwei Kolonnen rechts (Markov) und links (Dochturow) der Elbe in Richtung Hamburg ab:

  • Die 26. Division (Dochturow) bis Bormannsdorf.
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) bis Seehausen
  • Das Hauptquartier (Bennigsen) bis Groß-Manzleben
  • Das Korps Markov stand in Brandenburg

Vorläufig wurden 6 Bataillonen Infanterie (Veliki-Loutzk Regiment und Galitz Regiment der 13. Division), 2 Kavallerie Regimenter (?) und eine halbe Batterie Artillerie unter dem Befehl von Gen.-Major Rossy vor Magdeburg zurückgelassen.

11. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) bis nach Borsfelde
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) bis Alt-Haldensleben
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) bis Alt-Haldensleben
  • Das Hauptquartier bis Neu-Haldensleben
  • Das Korps Markov hatte in Brandenburg einen Ruhetag

12. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) hatte in Borsfelde einen Ruhetag
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) bis marschierte bis Ispe
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) bis Akendorf
  • Das Hauptquartier bis Gardelegen
  • Das Korps Markov bis in die Gegend von Rathenow

13. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) bis Brahme
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow)hatte Ruhetag
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow)hatte Ruhetag
  • Das Hauptquartier hatte Ruhetag
  • Das Korps Markov bis Havelberg
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) bis Burgfall

14. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) bis Betzendorf
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow)bis nach Mesendik
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow)bis nach Mesendik
  • Das Hauptquartier bis Zedlingen
  • Das Korps Markov hatte Ruhetag in Havelberg
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) bis Stendal

15. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) bis Bergen
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) bis nach Salzwedel, Kucheldorf und Lübbau
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) bis nach Salzwedel, Kucheldorf und Lübbau
  • Das Hauptquartier bis Zedlingen
  • Das Korps Markov bis nach Perleberg
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) hatte in Stendal Ruhetag.

16. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) hatte Ruhetag
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) hatte Ruhetag
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) hatten Ruhetag
  • Das Hauptquartier hatte Ruhetag
  • Das Korps Markov bis nach Lenzen
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) bis nach Osterburg.

17. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) bis nach Hohenzeiten
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) bis nach Platelose und Schafhausen
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) bis nach Platelose und Schafhausen
  • Das Hauptquartier bis nach Dannenberg
  • Das Korps Markov hatte bis nach Dömitz
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) bis nach Arendsee.

18. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) bis nach Lamgraben
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) bis nach Hitzacker und Altendorf
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) bis nach Hitzacker und Altendorf
  • Das Hauptquartier verblieb in Dannenberg
  • Das Korps Markov blieb in Dömitz
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) bis nach Hartau.

19. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) bis nach Scharnebek
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) bis nach Bleckede
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) bis nach Bleckede
  • Das Hauptquartier bis nach Radegast
  • Das Korps Markov bis nach Lübtheen
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) bis nach ???

20. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) überquerte auf Kähnen bei Artlenburg die Elbe.
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) bis nach ???
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) bis nach ???
  • Das Hauptquartier überquerte die Elbe bei Boizenburg
  • Das Korps Markov bis nach Zarrentin
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) bis nach Quickborn

21. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) beendet die Elbüberquerung bei Artlenburg
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) überquert die Elbe bei Boizenburg
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) überquert die Elbe bei ???
  • Das Hauptquartier blieb in Boizenburg
  • Das Korps Markov bis nach Mölln
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) bis nach Dannenberg

22. Dezember 1813

Die Truppen verbleiben im Marsch in Richtung Unterelbe:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) marschiert bis Boberg.
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) beendet die Elbüberquerung bei Boizenburg
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) überquert die Elbe bei ???
  • Das Hauptquartier blieb in Boizenburg
  • Das Korps Markov bis nach Schönerg
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) überquert die Elbe bei Boizenburg

23. Dezember 1813

Die Truppen erreichen nach und nach das Hamburger Umland:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) bleibt bei Boberg.
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) bis nach Lauenburg
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) bis nach Lauenburg
  • Das Hauptquartier blieb in Boizenburg
  • Das Korps Markov bis nach Siek, Rahlstedt und bis zur Alster, wo es den rechten Flügel bildete.
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) bis Willinghusen und Glinde

24. Dezember 1813

Es erfolgte die Einschluss der Stadt und Festung Hamburg auf dem rechten Ufer der Elbe bis zur Alster. Es wurden dabei die Dörfer Boberg, Havig, Marst, Lohbrügge und die Redoute bei Hekathen besetzt. Die Stellung der Truppe sah nach der Einschließung wie folgt aus:

  • Die Kavallerie (Chaplitz) steht bei Boberg.
  • Die 26. Infanterie-Division (Dochturow) bei Bergedorf und Reinbek (linker Flügel)
  • Die schwere Artillerie und der Train (Dochturow) bis nach Lauenburg
  • Das Hauptquartier war in Bergedorf
  • Das Korps Markov bei Siek, Rahlstedt und bis zur Alster (rechter Flügel ca. 11 bis 12.000 Infanterie und 6.000 Kavallerie)
  • Die Kavallerie des Generals Kreutz (Ulanen Division) steht bei Willinghusen und Glinde

Wansbek wird ohne Wiederstand eingenommen. Gleichzeitig werden die Deiche und Häuser der überschwemmten Elbinseln Billwerder und Ochsenwerder besetzt.

27. Dezember 1813

Leichte Gefechte bei Steinbek und Wansbek

29. Dezember 1813

Die französischen Truppen, die auf Wilhelmsburg stationiert sind unternehmen mit Hilfe von 15 Booten und unter dem Schutze einer Artillerie-Batterie einen Landungsversuch in Ochsenwerder. Nach großen Verlusten müssen sich die Franzosen zurückziehen.

Gefecht an der blauen Brücke über die Bille.

30. Dezember 1813

In der Nacht zum 30.12. werden die französischen Truppen bei Moorfleet verstärkt und greifen mit rund 1.000 Mann die russischen Vorposten an. Die Franzosen werden jedoch erneut unter großen Verlusten zurückgeschlagen.

31. Dezember 1813

Nach dem Waffenstillstand mit Dänemark wird das Korps Woronzow (Nordarmee) auf Befehl des schwedischen Kronprinzen aus Pinneberg abgezogen, um bei Wedel die Elbe zu überqueren und von dort aus in Richtung Rhein zu marschieren. Daraufhin werden die Truppen unter dem Befehl von Markov in diese Position verlegt, wo sie vom rechten Alsterufer bis zur Elbe in Stellung gehen. Das Korpsquartier von Markov wird nach Rellingen verlegt. Das Korps Dochturow erhält den Abschnitt von Ochsenwerder bis an das linke Alsterufer.

01. Januar 1814

Weitere Gefechte bei Ochsenwerder.

02. Januar 1814

In der Nacht auf den 02. Januar wird von den Franzosen ein weiterer Angriff auf Ochsenwerder unternommen. Doch auch dieser Vorstoß wird abgeschlagen und die Franzosen müssen sich zurückziehen.

03. Januar 1814

Gen. Markov läßt die Dörfer Eppendorf, Winterhude, Hoheluft und Eimsbüttel angreifen und kann diese mit seinen Truppen besetzen.

04. Januar 1814

Das Korps Tolstoy trifft bei Magdeburg eine und löst dort die Truppe des Gen. Rossy ab, die daraufhin nach Hamburg marschieren.

General Kreutz wird mit 3 Regimentern regulärer Kavallerie an die Nordarmee abgegeben, da die Kavallerie in dieser Menge nicht sinnvoll während der Belagerung eingesetzt werden kann (vermutlich die Ulanen Regimenter Taganrog, Sibirien und Zhitomir). Diese Briagde wird auf Befehl des schwedischen Kronprinzen nach Kiel beordert.

Die Franzosen müssen Ochsenwerder räumen und Moorfleet wird mit 1.000 Mann russischer Infanterie besetzt.

05. Januar 1814

Dieser Tag sieht einen erneuten Angriff der Franzosen auf Billwerder und Ochsenwerder. Die russischen Vorposten werden zunächst zurückgeworfen, aber die Kavallerie Reserve unter dem Befehl von Gen. Chaplitz eilt herbei und schläg die Franzosen in die Flucht.

06. Januar bis 12. Januar 1814

Um die Arbeiten an den Außenwerken der Stadt vollenden zu können, unternehmen die Franzosen mehrer kleine Angriffe.

13. Januar 1814

Ein größerer Vorstoß der Franzosen richtete sich gegen die Truppen des Gen. Markov. Markov erhielt jedoch Nachricht von diesem Vorhaben, konnte so den Gegner überraschen, 40 Gefangene machen und den Feind auf die Sternschanze zurückwerfen sowie eigene Truppen am Rosenhof festsetzten.

15. Januar 1814

General Chaplitz vertreib die Franzosen aus Barmbek, Wansbek und Schiffbek. Die Orte werden durch russische Truppen besetzt.

Schließlich waren die Franzosen gezwungen sich an allen Fronten auf die Verschanzungen am Stadtrand zu beschränken.

19. Januar 1814

Das Hauptquartier des General Bennisgen wird nach Pinneberg verlegt

21. Januar 1814

An diesem Tag erfolgt ein Gegenangriff der Franzosen als Reaktion auf die Angriffe vom Vortag (Korps Stroganov / Nordarmee). Die Franzosen greifen wiederholt Ochsenwerder mit Hilfe von Landungsbooten an. Aber zum wiederholten Male werden sie durch russische Truppen unter dem Kommando von Oberst Tschemschuschnikow zurückgedrängt. Außerdem führt Stroganov mit seinem Korps eine Unternehumg gegen Moorwerder. Die Franzosen haben hohe Verluste und mehr als 500 Mann werden gefangengenommen.

22. Jamuar 1814

General Rossy ist mit seinen Truppen in Hamburg eingetroffen und wird bei Wansbek aufgestellt.

26. Januar 1814

Bennigsen hatte für den Tag des Geburtstages der russischen Kaiserin einen allgemeinen Angriff auf die Vorpostenstellungen der Franzosen angeordnet. Einheiten der 26. Division greifen Moorfleet an und eroberten es. Auch der Posten bei Aufschlag wird eingenommen. In Hamm finden die heftigsten Kämpfe statt. Hier stehen die Truppen unter dem Befehl von Gen. Chaplitz. Die Battailone des 5. Jäger-Regiments unter Gen-Major Vogel drängen die Franzosen bis auf den Kirchhof von Hamm zurück. Bevor Entsatz für die nun eingeschlossenen Franzosen herangeführt werden kann, stürmen die russischen Jäger-Battailone die Stellung und töten dabei fast alle Franzosen. Unterdessen unternimmt Gen. Rossy von Wandsbek und General Dochturow aus Richtung Westen einen Angriff. An allen Punkten drängt man die Franzosen zurück, mehr als 300 Gefangene werden gemacht und ebensoviele Franzosen werden verwundet bzw. getötet. Die Belagerer stehen nun mit ihren Vorposten ringsum Hamburg in Kanonenschussweite.

General Tolstoy erhält den Befehl mit seinem Korps nach Hamburg vorzurücken. Vor Magdeburg wird die Kavallerie unter Gen. Knorrig und einge Kosaken-Regimenter zurückgelassen. Die letztgenannten Truppen werden schließlich in Richtung Rhein beordert.

Von Ende Januar bis Anfang Februar finden auf beiden Seiten immer wieder kleine Vorstöße statt.

02. Februar 1814

Nach und nach treffen die Truppen des Korps Tolstoy in Bergedorf bei Hamburg ein. Es soll sich um 3.000 Mann Linien-Infanterie, 10. bis 12.000 Miliz-Infanterie und 3.000 Kavalleristen handeln. Ein Infanterie-Miliz-Korps wird nach Pinneberg geschickt und ein Korps bleibt in Bergedorf.

Anfang Februar 1814

Die Allierten Belagerungstruppen werden rund um die Stadt neu verteilt:

  • Dochtorov kommandiert den linken Flügel mit Korpsquartier in Bergedorf.
  • Tolstoy kontrolliert das Zentrum mit Korpsquartier in Wellingsbüttel.
  • Markov kommandiert den rechten Flügel mit Korpsquartier in Rellingen.
  • Chaplitz kommandiert die komplette Kavallerie (auch die von Tolstoy) und steht mit seinen Einheiten in zweiter Linie.
  • Ahrendschild (Nordarmee) steht mit seinen Truppen rund um Harburg mit Korpsquartier in Winsen.
  • Das Hauptquartier ist in Pinneberg einquartiert.

09. Februar 1814

Bennigsen hat einen weiteren großen Angriff auf die französischen Stellungen geplant. Die wichtigsten Ziele sind die Wilhelmsburg mit dem Kommunikationsweg und die Schanzen des Schwarzen Berges bei Harburg. Der Plan des Kommandierenden sah wie folgt aus:

Für den Angriff werden 3 Kolonnen gebildet. Die 1. und 2. Kolonne greifen auf dem linken Flügel an und stehen unter dem Befehl des Gen. Dochturow, bzw. unter dem Kommando von Gen.-Lt. Emme und und Gen.-Lt. Tolstoy. Die 3. Kolonne greift auf dem rechten Flügel an und steht unter dem Kommando von Gen. Markov.

Die 1. Kolonne besteht aus:

  • 9 Bataillone Infanterie der 26. Division
  • 4 leichte Kanonen
  • 200 Kosaken
  • 2 Schwadronen reguläre Kavallerie
  • 1 Pinoier-Kompanie

Die 2. Kolonne besteht aus:

  • 9 Bataillone Infanterie
  • 2 leichte Kanonen
  • 200 Kosaken
  • 2 Schwadronen reguläre Kavallerie
  • 1 Pinoier-Kompanie
  • Hamburger Bürgergarde

Die 3. Kolonne besteht aus:

  • 8 Bataillone Infanterie
  • 4 leichte Kanonen
  • 200 Kosaken
  • 2 Schwadronen reguläre Kavallerie
  • 1 Sappeur-Kompanie

Die 1. Kolonne soll sich auf Ochsenwerder vor der Kirche versammeln. Sie soll dann die Posten von Buschwerder und Georgswerder auf der Wilhelmsburg durch einen Bajonettangriff in der Flanke und im Rücken erobern. Von dort aus soll es in Richtung Hävel gehen. Die 2. Kolonne hat ihren Sammelpunkt bei der roten Brücke an der Bille und geht dort über Aufschlag, wo der französische Posten ebenfalls im Rücken angegriffen werden soll. Von dort plant man nach Hävel zu gehen, wo man sich mit der 1. Kolonne vereinigen will, um gemeinsam zur Brücke des Kommunikationsweges vorzustoßen. Die 3. Kolonne sammelt sich bei Dockenhuden, geht über Teufelsbrück auf der Elbe gegen die Insel Roß vor und soll versuchen die französische Batterie bei Schrevenhof durch einen Angriff im Rücken einzunehmen. Vorher will man die Posten bei Waltershof und Dradenau ausgeschalten. Schließlich soll auch die 3. Kolonne bis zur Brücke in Wilhelmsburg vorstoßen und sich dort mit den beiden anderen Kolonnen vereinen.Wichtig bei diesem Vorhaben ist vor allem, die Vereinigung der franzosischen Truppen zu verhindern, um so die Wilhelmburg leichter erobern zu können. Zur selben Zeit ist südlich der Elbe ein Angriff auf Harburg geplant, der dann mit 7 Bataillonen und Artillerie von der Wilhelmsburg unterstützt werden soll. Um die in Hamburg stationierten Truppen in Hamburg zu binden, soll außerem von 2 Seiten ein Scheinangriff auf Hamburg selbst erfolgen. Den ersten Angriff will man von Wansbek unter der Führung von Gen.-Lt. Chaplitz mit 6 Bat. russischer Landwehr, einige Artillerie und einigen Schwadronen regulärer Kavallerie durchführen. Der zweite Angriff unter dem Befehl von Gen.Lt. Tschepelef soll von Eppendorf und rechts von Eimsbüttel starten und mit 4 Bataillon Landwehr, 1 Linien-Bataillon, einigen Kanonen und einigen Schwadronen regulärer Kavallerie erfolgen. Der Angriff soll hier gut sichtabr, aber außerhalb der Kanonen beginnen. Bennigsen selbst wird sich bei dieser Aktion bei der 3. Kolonnen aufhalten. Bei Schwierigkeiten soll die 1. Kolonne auf Ochsenwerder, die 2. Kolonne auf Billwerder und die 3. Kolonne auf Teufelsbrück zurückfallen.

Das Vorhaben konnte allerdings nicht wie geplant durchgeführt werden. Die 1. Kolonne rückte wie befohlen vor, eroberte den Vorposten Busch und konnte ebenfalls anrückende französische Unterstützung schlagen sowie eine Batterie von 6 Geschütze einnehmen. Unterdessen hatte die 2. Kolonne die Hamburger Bürgergarde zur Führung an die Spitze gesetzt. Sie sollte den russischen Truppen einen sicheren Weg durch das unwegsame und von Gräben durchschnittene Gelände weisen. Auf dem Billwerder blockierte allerdings unerwartetes Tauswasser auf dem Eis ein fortkommen auf diesem Weg. Die Hamburger Bürgergarde bot zwar einen möglichen Umweg an, doch Gen. Tolstoy wollte nicht von den gegebenen Befehlen abweichen, sondern auf neue Anweisen von Bennigsen warten. So verging kostbare Zeit und die 1. Kolonnen war zunächst ebenfalls gezwungen nicht weiter vorzurücken. Die 3. Kolonnen überquerte die zugeforene Elbe bei Teufelsbrück und Nienstädten, ließ einige Truppe zur Sicherung vor Altona zurück und gelangte so geradewegs auf die Inseln Neuhof und Roß. Dort wurde eine Batterie mit 5 Kanonen erstürmt und einige weitere Vorposten der Franzosen eingenommen. Die 1. Kolonnen bemerkte nun in der Ferne das Vorrücken der 3. Kolonnen und marschierte jetzt auf die Kommunikations-Chaussee zu. Immer noch in der Hoffung, hier auf die 2. Kolonne zu treffen. Aber auch die Franzosen bemerkten schließlich das Anrücken des Feindes und sammelte daraufhin die Besatzung der Wilhelmsburg an den Verschanzungen der Chaussee und den Brücken. Von hier aus feurte nun die französische Artillerie, die von ihrere Position ein gutes Schussfeld auf die Umgebung hatte, auf die anrückenden russischen Einheiten. Aufgrund der vielen Deiche, Gräben und des Tauwassers war es den Russen nicht möglich ihre Artillerie und Kavallerie einzusetzten. Trotz allem gelang es sich schließlich die 1. und 3. Kolonne zu vereinen und die nun aus den Festungen Harburg und Hamburg kommenden französischen Verstärkungen zurückzudrängen. Im Süden, vor den Toren Harburgs, hatte zu dieser Zeit Gen. Arendschild (Nordarmee) einige Bataillone am Deich von Fünfhausen bis Neuland aufmarschieren lassen und von hier aus Patroullien auf die Wilhelmsburg geschickt, um Verbindung mit der 1. Kolonne aufzunehmen. Die Hauptstreitmacht Arendschilds ging bei Wilstorf, unmittelbar südlich von Harburg in Stellung und erwartete hier die versprochene Verstärkung aus Wilhelmsburg. Unterdessen dauerte das Gefecht auf der Wilhelmsburg an und zog sich bis in den Abend, ohne das eine Seite die Oberhand gewinnen konnte. Die Scheinangriffe der russischen Miliz unter der Führung des Gen. Chaplitz und Gen Tschepelf hatten bis jetzt verhindert, dass umfangreiche französische Verstärkungen auf die Wilhelmsburg geschickt wurden. Gegen Abend glaubte man in Hamburg jedoch nicht mehr an einen Angriff der russischen Miliz und entschloss sich endlich zu einer starken Unterstüzung der kämpfenden Franzosen. Hier wartet Gen. Dochturow immer noch vergeblich auf das Eintreffen der 2. Kolonne, woraufhin Bennigsen die Kolonnen in ihre Ausgangsstellungen zurückfallen ließ. Eine Besetzung der Wilhelmsburg war aufgrund der geringen Zahl an russischer Infanterie und der Schwierigkeiten diese zu versorgen ohnehin unmöglich. Die Kämpfe kosteten die Russen 13 Offiziere und 291 Mann an Toten und Verwundeten. Die Franzosen hatten sogar rund 1.000 Mann Verluste zu beklagen. Unter ihnen befanden sie auch einige hochrangige Offiziere, wie den Gen. Osten, Gen. Romé und den Oberst St. Pierre. Hinzu kamen 14 Offiziere und 600 Mann die von den Russen gefangengenommen wurden. Die russischen Truppen konnten außerdem 12 Kanonen, 50 Tonnen Schießpulver, 30.000 Patronen und eine Menge an Wein und Lebensmitteln erbeuten.

18. Februar 1814

Nach Harburg werden zusätzlich ein Regiment russische Kavallerie, das Litthauische Ulanen-Regiment und die reitende Batterie Nr. 30 sowie 1 Kompanie russischer Sappeure geschickt

23. Februar 1814

Nächtliche Angriffe auf mehere kleine französische Posten.

24. Februar 1814

Gen. Bulatof konnte unbemerkt die Wilhelmsburg erreichen und mit seinen Truppen gegen die Kommunikation-Chaussee vorgehen.

28. Februar 1814

Gen. Markov unternimmt einen Vorstoß auf die Wilhelmsburg, wobei er die Insel komplett überquert und schließlich Bill- und Ochsenwerder erreicht. Die Russen verlieren bei dieser Aktion 20 Mann, können aber mehr als 220 Franzosen gefangen nehmen.

05. März 1814

Gen. Fürst Bagration (Bruder des bekannten Generals) macht einen Überfall auf unverschanzte Vorposten der Wilhelmsburg, tötet eine Reihe von Franzosen und nimmt 13 französische Kürrassiere und 16 Infanteristen gefangen.

Anfang/Mitte März

Durch Tauwetter war das Überqueren der Wasserwege extrem schwierig geworden, was die Angriffe der Russen stark einschränkte.

29. März 1814

General Ismailow trifft mit 6.000 Mann Infanterie aus Glogau und Sachsen kommend in Bergedorf ein (1. Riasan Opolochenie Regiment, 2. Riasan Opolochenie Regiment, 4. Riasan Opolochenie Regiment, 2. Riasan Opolochenie Jager Regiment).

8. April 1814

Bennigsen begibt sich über Zollenspieker und Winsen nach Hittfeld, wo er am 09. April eintrifft, am 10. April die Positionen der Franzosen vor und in Harburg inspiziert und am 11. April wieder über Buxtehude und Blankenese nach Pinneberg zurückkehrt.

15. April 1814

Sieben englische Kanonen-Schaluppen und 1 Korvette unter dem Kommando von Kapitän Marschall sind in Altona angelandet.

29. April 1814

Altona wird von den Russen besetzt und Davout lässt nach langen Verhandlungen weiße Fahnen hissen.

Offizier und Kanonier der Reitenden Artillerie Russland

Quellen (Eine Auswahl):

  • Feldzug der Kaiserlich Russischen Armee von Polen in den Jahren 1813 und 1814 / Müffling, Friedrich Carl Ferdinand von
  • Davout und die Festung Hamburg-Harburg / Henke, Carl
  • Die Region Stade in westfälisch-französicher Zeit 1810-1813 / Issensee, Klaus
  • Geschichte der Nordarmee im Jahre 1813 / Quistorp, Barthold von
  • Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813 und 1814 / Plotho, Carl von